Netzwerk der Erasmus+ Beratenden Berufsbildung Internationalisierung voranbringen
– ein Blick in das Netzwerk der Erasmus+ Beratenden
Regelmäßig werden die Erasmus+ Beratenden von der NA beim BIBB zum Netzwerktreffen nach Bonn eingeladen. Für viele Beraterinnen und Berater ist dies ein weiter Weg, dennoch sind mehr als 60 Personen der Einladung gefolgt. Auf der Agenda steht neben vielen fachlichen Inputs die Suche nach einer gemeinsamen Haltung und Zukunftsvision. Die Zusammenarbeit soll durch digitale Tools kontinuierlicher gestaltet und so mehr Synergien genutzt werden. Denn wenn ein Berater oder eine Beraterin ein bestimmtes Szenario bereits erlebt hat, kann das ganze Netzwerk von diesen Erfahrungen profitieren.
Das Netzwerk der Erasmus+ Beratenden wurde bereits 2004 ins Leben gerufen mit der Zielsetzung, Informationen zum Erasmus+ Programm sowohl für die Auszubildenden als auch für ihre Ausbilderinnen und Ausbilder besser verfügbar zu machen. Denn das Programm war damals in der beruflichen Bildung weitestgehend unbekannt. Seitdem haben sich die Mobilitätszahlen vervielfacht, viele Berufliche Schulen sind in Deutschland inzwischen im Programm aktiv.
Dennoch ist das Erasmus+ Beratenden-Netzwerk weiterhin von großer Bedeutung, denn auch wenn mehr Auszubildende von der Möglichkeit wissen, während der Ausbildung ein Praktikum im Ausland machen zu können, so gibt es noch viele Hindernisse. Ein großer Anteil der Erasmus+ Beratenden sind auch Teil des Netzwerks Berufsbildung ohne Grenzen, welches vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert wird. Und viele unter ihnen arbeiten an den Kammern, sind also direkt an einer wichtigen Säule des dualen Ausbildungssystems angedockt. Durch die Zusammenarbeit mit Industrie- und Handelskammern sowie den Handwerkskammern bieten sie passgenaue Informations- und Aufklärungsarbeit für Ausbildungsbetriebe an. Denn auch wenn ein Großteil der Anträge im Erasmus+ Programm von berufsbildenden Schulen gestellt werden, ist es genauso wichtig, dass auch die Ausbildungsbetriebe den Mehrwert eines Auslandsaufenthaltes kennen. Die Beratenden leisten hier gute Aufklärungsarbeit und überzeugen mitunter zweifelnde Ausbilder/-innen davon, dass ein grenzüberschreitender Austausch persönliche sowie fachliche Entwicklungen anstoßen wird. Vermittelt werden mit dem Auslandsaufenthalt neben fremdsprachlichen und sozialen Kompetenzen oft auch neues berufsspezifisches Fachwissen.
Die Erasmus+ Berater/-innen, die sich an diesem Donnerstag in Bonn zusammenfinden, wissen dies natürlich. Die meisten sind schon lange im Netzwerk und haben viele herausfordernde Gespräche mit Ausbilderinnen und Ausbildern geführt, aber auch Überzeugungsarbeit bei den Auszubildenden gehört zu ihrem Alltag. Immer mehr Jugendliche scheuen den Schritt, für eine längere Zeit im Ausland zu leben und brauchen zunächst eine Starthilfe. Ein Gefühl der Sicherheit lässt sich vor allem in persönlichen Gesprächen vor Ort vermitteln als durch Online-Angebote oder telefonische Beratung.
Es ist sehr hilfreich, wenn bei einem solchen Thema alle an einem Strang ziehen und sowohl die Berufsschullehrkräfte als auch die Kammer vertretenden vom Mehrwert der Auslandspraktika überzeugt sind. Je positiver die Reaktionen sind, die Auszubildende beim Feedback erhalten, desto überzeugter wird auch ihre Haltung bezüglich eines Auslandsaufenthaltes werden.
Auch die Planung und Durchführung eines geförderten Auslandsaufenthaltes sind nicht unerheblich. Es erfordert eine gute Vor- und Nachbereitung der Auszubildenden, aber auch Unterstützung bei der Suche nach Unterkünften oder Praktikumsbetrieben. Dann tauchen gelegentlich noch Visa- oder Versicherungsfragen auf und nicht zuletzt benötigt der fachliche Input, den man im Ausland erhält, eine aussagekräftige Zertifizierung. Dies sind viele Schritte, die ein junger Mensch viel besser mit der Expertise von Beratenden bewältigen kann.
Alle Erasmus+ Beraterinnen und Berater haben ein Mandat zur Beratung zu Auslandsaufenthalten und Internationalisierung in der Berufsbildung erhalten, z. B. von einer Kammer, einem (Landes-)Ministerium, einem Arbeitgeberverband oder einer Gewerkschaft. Dies gewährleistet eine unabhängige und kostenlose Beratung. Zudem werden sie regelmäßig von der NA beim BIBB zu den Förderprogrammen Erasmus+ und AusbildungWeltweit geschult, damit sie die aktuellen Entwicklungen kennen und zielorientierte Lösungen finden können.
Zurück zum Netzwerktreffen. Überall Geplauder, die Teilnehmenden stehen in Gruppen um Stehtische und bringen sich auf den neuesten Stand. Viele der Beraterinnen und Berater kennen sich seit Jahren. Man sieht ihnen an, dass das Wiedersehen Freude macht.
Gerade bei den derzeitigen internationalen Herausforderungen ist so ein Netzwerk wie ein sicherer Hafen zu sehen. Hier finden sich Gleichgesinnte: engagierte Lehrer/-innen und Berater/-innen, die sich für die jungen Leute einsetzen und vom europäischen Austausch überzeugt sind. Deren Motivation basiert nicht nur auf dem ausgeübten Beruf, sie sind vielmehr echte „Überzeugungstäter“, die sich durch ihr persönliches Engagement für die Verbreitung europäischer Werte einsetzen. Für das Erasmus+ Programm sind diese Multiplikatorinnen und Multiplikatoren essenziell. Noch wichtiger aber sind sie für eine ganze Reihe junger Menschen, die ohne den persönlich gesetzten Anreiz keinen Blick über ihren Tellerrand geworfen hätten.
Weitere Informationen
Die akkreditierten Erasmus+ Beratenden in Ihrer Region finden Sie über folgende Seiten der NA beim BIBB:
- Erasmus+ Beratung auf na-bibb.de
- Beratung in Ihrer Region auf Auslandsberatung-Ausbildung.de
- Beratung in deiner Region auf MeinAuslandspraktikum.de
Mehr Informationen zum Netzwerk Berufsbildung ohne Grenzen
Autorin: Anna Wendt, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, NA beim BIBB
Dieser Artikel erschien im Journal „Bildung für Europa“ der Nationalen Agentur beim Bundesinstitut für Berufsbildung,
Ausgabe 42 „Werte, die Europa verbinden“, Juli 2026, S. 22–23.