Deutsch-Französischer Austausch in der Berufsbildung
Am 22. Januar feiern Deutschland und Frankreich den Deutsch-Französischen Tag. Er erinnert an die Freundschaft und enge Zusammenarbeit beider Länder sowie an die Bedeutung des Austauschs, auch in der beruflichen Bildung.
Der Grundstein für die deutsch-französische Zusammenarbeit wurde mit dem Élysée-Vertrag gelegt, den Bundeskanzler Konrad Adenauer und Staatspräsident Charles de Gaulle am 22. Januar 1963 unterzeichneten. Ziel war es, die Konflikte der Vergangenheit zu überwinden und den bilateralen Austausch dauerhaft zu stärken. Zum 40. Jahrestag des Vertrags erklärten Jacques Chirac und Gerhard Schröder den 22. Januar offiziell zum Deutsch-Französischen Tag.
Die enge wirtschaftliche Verflechtung Deutschlands und Frankreichs zeigt sich heute in tausenden Unternehmen, die grenzüberschreitend tätig sind. Für Auszubildende und Betriebe ist der deutsch-französische Austausch deshalb von besonderer Bedeutung: Sprachkenntnisse, interkulturelle Erfahrung und Einblicke in unterschiedliche Arbeitsweisen sind Kompetenzen, die im Berufsalltag zunehmende gefragt sind.
Um diese Kompetenzen zu fördern und den Austausch strukturell abzusichern, werden deutsch-französische Austauschprojekte in der Berufsbildung durch staatliche Förderprogramme unterstützt. Nachfolgend geben wir einen Überblick über deutsch-französische Austauschmöglichkeiten in der Berufsbildung.
ProTandem
Der deutsch-französische Austausch in der beruflichen Bildung wird seit 1980 durch eine eigene bilaterale Einrichtung unterstützt. Das heutige ProTandem – Deutsch-Französische Agentur für den Austausch in der beruflichen Bildung fördert Austauschmaßnahmen für Jugendliche in Ausbildung, Erwachsene in Weiterbildung, Lehrkräfte und Ausbildungspersonal.
Im Mittelpunkt stehen die berufliche Praxis im Nachbarland sowie kulturelle und sprachliche Sensibilisierung.
Anträge stellen Ausbildungseinrichtungen, Betriebe, Kammern oder Innungen. Eine Bewerbung durch Auszubildende selbst ist nicht möglich. Die Antragsstellung ist ganzjährig möglich.
Französischkenntnisse sind keine Voraussetzung, da ProTandem begleitende Sprachangebote bereitstellt.
Deutsch-Französisches Jugendwerk (DFJW)
Als direkte Folge des Élysée-Vertrags wurde 1963 das Deutsch-Französische Jugendwerk (DFJW) gegründet. Seitdem fördert es den Austausch junger Menschen aus Deutschland und Frankreich und trägt dazu bei, gegenseitiges Verständnis und langfristige Verbindungen aufzubauen.
Auch in der beruflichen Bildung unterstützt das DFJW grenzüberschreitende Mobilität, insbesondere durch ausbildungsbegleitende und freiwillige Praktika in Frankreich. Dazu zählen Förderangebote für Auszubildende mit besonderem Unterstützungsbedarf, das Praktikumsprogramm PRAXES sowie digitale Angebote zur sprachlichen und interkulturellen Vorbereitung wie PARKUR.
Damit ergänzt das DFJW die bestehenden Fördermöglichkeiten und eröffnet Auszubildenden konkrete Wege, berufliche Erfahrungen im Partnerland zu sammeln.
Plattform "Écoles-Entreprises"
Initiiert von der Deutsch-Französischen Industrie- und Handelskammer und der Akademie von Paris zielt Écoles-Entreprises darauf ab, langfristige Partnerschaften zwischen Schulen, beruflichen Bildungseinrichtungen und Unternehmen aufzubauen, die in Deutschland und Frankreich tätig sind.
Die Plattform vernetzt Bildungseinrichtungen und Betriebe und informiert über Praktikumsangebote, Volontariate, Ausbildungsstellen und Duale Stellen in beiden Ländern.
Erasmus+ in der Berufsbildung
Auch das europäische Bildungsprogramm Erasmus+ unterstützt Lernaufenthalte in der Berufsbildung zwischen Deutschland und Frankreich. Gefördert werden Auszubildende und Schüler/-innen berufsbildender Schulen sowie Lehrkräfte und Ausbilder/-innen.
Für Berufsbildungsinstitutionen ohne bisherige Erasmus+ Erfahrung bieten Kurzzeitprojekte einen niedrigschwelligen Einstieg. Sie ermöglichen die Teilnahme am Programm in überschaubarem Rahmen. Die nächste Antragsfrist für Kurzzeitprojekte endet am 19. Februar 2026 um 12 Uhr (Brüsseler Zeit).
Ergänzend stehen Erasmus+ Stipendienplätze für Auszubildende und Schüler/-innen berufsbildender Schulen zur Verfügung, wenn ihre Einrichtung selbst keine Erasmus+ Förderung beantragt oder erhält. Diese Stipendien werden bundesweit über den Stipendienfinder veröffentlicht und ermöglichen der Zielgruppe Lernende individuelle Lernaufenthalte im Ausland.